!Cuy, cuy!

Pfingstsonntag 20. Mai

Quito ist extrem langgezogen, 80 km lang, und wie eine Wurst gebogen. Unser Hotel liegt im Norden der Stadt, der Bus für die heutige Fahrt nach Baños startet im gigantischen Bushof im Süden. Das bedeutet zunächst 3/4 Stunden Fahrt, bis die vierstündige eigentliche Reise beginnt.

Wir nutzen einen öffentlichen, im Prinzip fahrplanmässigen Bus. Entgegen unseren Erwartungen ist das aber kein „chicken bus“. Was das bedeutete, kann man sich vielleicht vorstellen. Gibt es nicht mehr, heute sind das klimatisierte Fahrzeuge mit reservierten Plätzen und ohne Vieh auf dem Dach.

Die Reise ist recht unterhaltsam. Einerseits wegen der abwechslungsreichen Landschaft, mit kleinen und grösseren Pässen, viel Land- und etwas Forstwirtschaft, Sonne, Nebel, Regen. Forst heisst Nadelholz (plus etwas von den ungeliebten Eukalyptus). Streckenweise fahren wir einer Bahnlinie entlang, vermutlich für den Holztransport, sonst gibt es in Ecuador kaum Bahnen mit Viertelstundentakt oder so. Sogar ein Gefängnis mit Wachttürmen und so liegt an der Strecke.

Dann aber auch wegen der Zwischenhalte, wo nicht nur Passagiere wechseln, sondern vor allem jeweils ein halbes Dutzend Kleinhändler ein- und nach Abschluss ihrer Transaktionen wieder aussteigen. Weil da nur zwei oder drei gleichzeitig im Bus Platz haben, führt das immer zu einem längeren Rollstopp. Einer der Händler bleibt sicher eine Viertelstunde drin, der will Parfums, Uhren und Schmuck verkaufen, da reicht ein Rollstopp halt nicht.

Baños ist ein ausgesprochener Touristenort, nicht nur bei Ausländern beliebt, mit ganz vielen Attraktionen vom Dinopark über Reiten, Zoo, Riverrafting, Cañoeing, Bungeejumping bis zu mir bisher unbekannten Events. Die heissen Quellen und vielen Wasserfälle geraten da zur Nebensache. Ich bleibe im Ort, fotografiere und esse grilliertes Meerschweinchen oder eben cuy. Mit drei companeras teile ich eine Versuchsportion in der Grösse etwa eines Hinterbeins, wobei die Frauen sich auf je eine Mikrofaser beschränken, es ging nur um das „yes, i did it!“.

3 Kommentare zu “!Cuy, cuy!”

  1. Ruth

    Gestern wollte ich mich mit Lesen von bisherigen Reiseberichten im Internet auf diesen Teil deiner Reise einstimmen. Waren alle langweilig! Dein Bericht gibt einen frischen, interessanten Eindruck und liest sich spannend. Du solltest deine Eindrücke deinem Reisebüro anbieten. Ist es tatsächlich so kalt wie der aktuelle Wetterbericht aus dieser Gegend anzeigt? 4 Grad?

  2. Bea Koch

    Lieber Kurt

    Ich habe deine Reise bis hierher miterlebt und mir meine eigenen Bilder gemacht. Die Vögel, Pinguine und Seelöwen habe ich auch in Peru auf den Ballestras Inseln angetroffen, natürlich alles en miniature. Deine mit Humor gewürzten Erzählungen erfreuen mich sehr, es ist so spannend und unterhaltsam. Ich habe grad den Atem anhalten müssen, als du von deinem Sturz erzählt hast. Zum grossen Glück hast du die Wanderungen auf Galapagos mitmachen können. Nebst den unglaublich eindrücklichen Tieren habe ich auch über den riesengrossen Vulkan gestaunt.
    Eine Weiterreise mit vielen Entdeckungen und Freude am Neuen und Andern wünscht dir
    Bea

  3. Kurt

    Ja, die angegebenen Temperaturen stimmen recht genau. 4° war aber schon ein Nachttiefstwert.

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