Laguna azul, chocolate y más

Mi 23. Mai

Die Mehrheit der Gruppe geht heute zum Riverrafting, Maria begleitet uns vier Zurückgebliebene, darunter den 78-jährigen Gruppensenior, zur Laguna azul. Natürlich per Taxi, wer würde schon ohne Zwang eine Stunde zu Fuss gehen. Wunderbares Wetter, idyllischer Fluss mit kleinen Pools zum Baden. Und Schmetterlinge in allen Grössen und Farben, leider fast alle mit ADHS, also kaum zu fotografieren. Der Senior ist etwas anspruchsvoll, hat alles schon gesehen und besser als gerade hier, und will das mit unzähligen Fotos und Videos auch jedem beweisen. Ich kann ihm immerhin beibringen, dass er seine trotz 128 GB fast volle Speicherkarte entlasten kann, indem er den einen oder anderen Schrottvideo löscht.

Nach dem Lunch ist es Zeit für eine Siesta, bis ein Wolkenbruch mich zwingt die Kleider unter Dach zu holen. War immerhin den Versuch wert, Hosen und Badehosen etwas weniger nass zu kriegen.

Die folgenden Events versöhnen mich voll mit dem falschen Homestay. Zuerst produzieren wir Schokolade, von A bis Z, vom Rösten über Schälen, Mahlen bis zum Geniessen. Schokolade war ja das Gold Ecuadors, bis es vom Erdöl verdrängt wurde. Und heute versuchen die Ecuadorianer, nicht einfach das Rohmaterial Kakao, sondern fertige Produkte zu exportieren. Offenbar mit Erfolg, wie internationale Wettbewerbe (mit Schweizer Jury, sagt Maria) bewiesen.

Dann dürfen wir mit dem gut zwei Meter langen Blasrohr und zugehörigen Pfeilen auf einen Schnitz Wassermelone schiessen. Delfin zeigt uns zwei Blasrohre des Kichwa-Stammes, dem er angehört, lässt uns aber ein Rohr der Huaorani benutzen. Das ist länger, zielgenauer. Zwei von uns treffen tatsächlich auf vielleicht 10 Meter das Ziel!

Er bemalt unsere Gesichter, ganz individuell, und erklärt die Symbole, die er uns zuschreibt und -malt, erzählt vom Schamanismus (sein Grossvater war Schamane) und bringt alle zum Tanzen. Alles ohne Tamtam und Brimborium, sondern sachlich kompetent bis humorvoll und immer mit dem Verweis auf eine frühere Lebensweise, die nicht mehr an vielen Orten so gelebt wird. Hervorragend! Besser als ein konventioneller Homestay, der rasch künstlich wirken könnte, mit Pseudo-Zeremonien und so.

 

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